6 Käthchen-Postkarten (Liebig)

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Beschreibung

6 farbige »Käthchen«-Postkarten in Mäppchen
Motive: vergrößerte Liebig-Sammelbilder


Der deutsche Chemiker Justus von Liebig (1803-1873) hatte neben vielen anderen weitaus bedeutenderen Entdeckungen ein Verfahren zur Extraktion von Rindfleisch beschrieben. Nach seinem Tod machte eine Aktiengesellschaft (»Liebig Extract of Meat Company«) daraus einen Welterfolg. »Liebig’s Fleisch-Extract« wurde der wohl erste Markenartikel überhaupt. Die Firma setzte dafür intensive Marketing- und Werbeaktionen ein. Ihr wichtigstes Werbemedium waren die Reklamesammelbilder. Die ersten sogenannten Liebigbilder erschienen 1875 in Paris. Später wurden sie in vielen europäischen Ländern in Ausgaben mit bis zu zwölf verschiedenen Sprachen verteilt. Die ›Blütezeit‹ der Liebigbilder lag in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg. Allein in Deutschland wurden 1138 Bilderserien zu je sechs Bildern herausgegeben.

Liebigbilder bestachen durch drucktechnische Brillanz, durch prachtvolle Farben und durch einfache, anschauliche und einprägsame Botschaften. Das Druckverfahren war die Chromolithographie, bei dem bis zu zwölf Farben übereinander gedruckt wurden. Angestellte Lithographen der chromolithographischen Kunstanstalten zeichneten die Entwürfe der Künstler auf den Stein. Die Bilder wurden in hohen Auflagen auf hochwertigem Karton gedruckt.

Das Sammeln der Bilderserien breitete sich vor der Jahrhundertwende zunächst unter Kindern, dann aber auch unter Erwachsenen in der bürgerlichen Gesellschaft geradezu epidemisch aus. Die in Alben gesammelten Bilder erwiesen sich als Werbemedium mit Langzeitwirkung und prägten das Weltbild ganzer Generationen. Die Wirksamkeit der Liebigbilder in der bürgerlichen Erziehung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die einprägsamen, farbigen Bilder vermittelten teilweise fundiertes Wissen in enzyklopädischer Form und wurden zu Schulbuchergänzung und -ersatz. Auffällig viele Opern wurden auf den Bildern illustriert – dies wohl, weil die Oper als sprachenübergreifendes, repräsentatives Medium der »gebildeten Schicht« in ganz Europa akzeptiert war. Aber auch Theaterstücke wurden auf jeweils sechs Bildchen dargestellt. Ein besonderer Reiz liegt darin, daß derartige Bilder – vergleichbar mit dem Papiertheater – Aufschlüsse über die zeitgenössischen Spielpläne, Aufführungspraxis, Bühnenbilder und Kostüme und deren Farben geben.

Kleists populärstes Stück, »Das Käthchen von Heilbronn«, erschien 1896 extrahiert auf einer Bilderserie. Während manche Opernbilder in bis zu fünf verschiedensprachigen Ausgaben erschienen, gibt es von dieser Bilderserie nur eine deutschsprachige. Sie wurde von der chromolithographischen Kunstanstalt König & Ebhardt in Hannover hergestellt, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß eine Aufführung des dortigen königlichen Hoftheaters Vorbild für die sechs Bildchen war. In den Liebigbilderkatalogen wird die Bilderserie unter den Nummern Arnhold 332 bzw. Sanguinetti 482 geführt.

(Nach: Detlef Lorenz: Liebig’s Kleistextrakt. In: Heilbronner Kleist-Blätter 11)

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